Die Angst des Trainers lehrt dem Kind den Ball wegzuschiessen

Die Angst des Trainers
Foto by Ayo Ogunseinde

In den letzten Wochen ist es mir bei vielen Jugendspielen - von den Bamibinis bis zur B-Jugend - so extrem aufgefallen: "Schieß den Ball weg!". 

Wer hat den Satz nicht schon einmal gehört oder selbst gesagt?
Die Angst des Übungsleiters, Spielbetreuer, Trainer oder der Eltern am Spielfeldrand ein Gegentor zu bekommen und möglicherweise dadurch eines der "wichtigsten Spiele des Lebens" zu verlieren, führt dazu, daß junge Spieler durch diese panikartigen Zurufe tatsächlich den Ball wegbolzen. Unkontrolliert.
Die Angst ist für ein paar Momente gebannt. Es ist in dieser Sekunde tatsächlich kein Gegentor erzielt worden. Der Spieler wird von nahezu allen gelobt.
Dass der unkontrollierte Ball beim Gegner landet und dieser erst im nächsten Angriff eine Torchance hat wird ignoriert. Unwissentlich.

Falsches Lob.

Doch was passiert bei dem kleinen Fußballer jetzt mit dieser Erfahrung? Er ist gelobt worden. Wahrscheinlich auch noch namentlich. Und damit startet ein negativer Teufelskreis. Unaufhaltsam. Der Kicker wird in einer ähnlichen Situation wieder selbst oder nach Anweisung den Ball aus der Gefahrenzone wegschiessen. Schließlich will er wieder gelobt werden. Irgendeiner der Elternfangemeinde oder des Trainerstabs wird schon etwas Positives hereinschreien wie "Gut gemacht!".

Wagen wir nun einen Zeitsprung in die Zukunft: Der Junge spielt weiterhin Fußball. Doch sicher nicht in einer guten ambitionierten, technisch ausgeprägten und leistungsbezogen Mannschaft. Denn hierfür ist er wohl kaum ausgebildet worden. Solche Mannschaften bzw. solche Spieler lernen auch in Stresssituationen mit einem klugen Pass oder einem Dribbling heraus den eigenen kontrollierten Gegenangriff einzuleiten. Der Jugendliche hat dies nicht gelernt - ihm fehlt die Ruhe und entsprechende Erfahrungen -. Und die ausgebildeten lizensierten Trainer stehen nicht auf Wegschiessen.

Gegensteuern

Wessen Schuld ist dies? Es ist der erstgenannte - ängstliche - Trainer. In aller Deutlichkeit!
Er muss dafür sorgen, dass der junge Fußballer den Mut aufbringt den Ball anzunehmen und eine Lösung (Pass oder Dribbling) zu erkennen. Dies wird anfangs oft nicht erfolgreich enden.
Es werden Gegentore dadurch entstehen. Hier muss der Trainer selbst ganz viel Mut und Geduld aufbringen. Es ist eine Frage der Entschlossenheit nichts Anderes zuzulassen.
Natürlich wird er dies seiner Mannschaft und den Eltern erklären müssen. Vielleicht auch mehrmals.
Doch sein Erfolg wird nicht am Ergebnis seiner Mannschaft, an Meisterschaften, Turniersiege oder Pokale gemessen sondern allein an seiner Lehrtätigkeit. Wie in der Schule.

Es lohnt sich. Das ist Ausbildung. Weit weg von irgendwelchen Wochend-Ergebnissen in den kleinen Jugendmannschaften, die nach ein paar Tagen keinen mehr interessieren.
Wohl aber die Entwicklung der Kinder.