"Hast Du ein Tor geschossen?" - Warum Sie diese Frage nicht stellen sollten...

Hast Du ein Tor geschossen?
Foto by jonathan-petersson & skuawk

Gut gemeint zeigt die Mutter oder der Vater Interesse am Fußballspiel des Kindes und fragt, ob es denn ein Tor erzielt hat. Es ist übrigens die am häufigsten gestellte Frage. Im Ranking noch vor "Habt ihr gewonnen?".

Es gibt nur zwei Antwortmöglichkeiten: "Ja!" lautet die Eine. Hierbei strahlt das Kind und bekommt die Freude der Eltern oder Großeltern oder anderen Familienangehörigen mit. Alle sind happy und zufrieden.
Wenn alle und immer nach einem Tor fragen, dann ist das wohl das Wichtigste im Spiel, denkt sich doch jeder Fußballer.
Schließlich haben sich auch alle Mitspieler und Trainer bei seinem Tor / Tore wahnsinnig gefreut und waren vor Freude total begeistert.
Genauso wie im Fernsehen. Wie bei einem Finale.
Soweit, so schön.

Eine Nachfrage zu seinem Spiel und zu seinen Aktionen wird nicht gestellt. Allen interessiert stets nur das Tor und das Ergebnis.

Gehen wir davon aus, dass im jüngeren Bereich (bedingt durch ein kleineres Spielfeld und kleinen Torhütern) viele Tore fallen und dieses Kind oft als Torschütze erwähnt wird. Solange wird seine Freude und Begeisterung am Fußball anhalten. Ganz bestimmt. Und solange werden auch die eigenen Familienfans glücklich / stolz sein und begleiten ihn bei seinem Hobby.

Was aber, wenn der Spieler ein guter Vorbereiter ist oder in der Abwehr klug und mutig im Aufbauspiel ist und kaum bzw. keine Tore schießt? Er wird diese langweilig wiederkehrende Frage verneinen müssen. Ein wenig Traurigkeit schlummert in ihm und ist nicht zu verleugnen. Denn keiner fragt tatsächlich nach seinen klugen Pässen und tollen Aktionen. Geschweige denn was er alles im Spiel so gesehen und wie er darauf reagiert hat.
Es gehört schon viel Leidenschaft dazu, wenn dieser junge Kicker unbeirrt erfolgreich weiter spielt ohne entsprechende Anerkennung und Bewunderung, die ihm zusteht.

Und selbst diejenigen, die viele Tore erzielen, werden im Laufe der Zeit die Erfolgserlebenisse (Tore) nicht mehr in diesem Ausmaße erleben. Bei vielen setzt dann Frust durch die ausbleibenden eigenen Tore und Komplimente ein. Mit der Folge, dass auch die eigenen Familienfans nun nicht mehr im gewohnten Maße stolz sind.
Aus 6-10 Tore pro Spiel sind es dann nur noch ein paar wenige und die auch nicht in jedem Spiel. Was völlig normal ist.

Das "Highlight der Fußballerkarriere" ist somit im Alter von ca. 6-11 Jahren erreicht worden. Die Eltern begleiten immer seltener. Das Hobby fasziniert die Familie nicht mehr.

Wie können Sie gegensteuern?
Bitten Sie all Ihre Familienangehörigen Ihrem Kind nicht diese blöde Frage zu stellen. Alternativ können Sie nachfragen nach:

  • seiner Position
  • seinen Aufgaben
  • nach seinem Spiel
  • wie genau er gespielt hat
  • warum das Spiel seiner Meinung nach spannend war
  • warum der Gegner stärker war
  • welcher Mitspieler besonders gut gespielt hat

Er wird im Übrigen schon selbst stolz erwähnen, dass er ein oder mehrere Tore erzielt hat.
Doch geben Sie dieser Aussage nach Möglichkeit genauso viel Aufmerksamkeit und Anerkennung wie allen anderen Ausführungen.

Was noch?
Bitte Sie den Trainer in seinen Spielberichten und kleinen Analysen zum Spiel nicht immer nur die Torschützen lobend zu erwähnen.

Phänomen weltweit
Die Medien erwähnen als Vorreiter und schlechte Vorbilder immer zuerst das Ergebnis und die Torschützen. Oft aus Zeitmangel.

Sie haben Zeit!
Kinder- und Jugendfußball ist nicht nur der letzte Schuss, der im Tor landet.
Und wenn die Frage nach einem Tor oft mit einem "Nein!" beantwortet wird ist das Frust pur.