Was verstehen wir unter gutem Training?

Was verstehen wir unter gutes Training?

Wie sieht ein gutes Training aus?

Praktische Tipps und wichtige Erkenntnisse aus unserer Trainingsarbeit mit Kindern und Jugendliche geben wir hier gerne weiter:

5-10 Minuten sollten alle Kinder und Jugendliche (das gleiche gilt übrigens auch für Senioren) erhalten, um sich auszutoben.

Zeit haben, um kurz mit den Freunden zu quatschen. Mit dem Ball zu spielen. Ankommen.
Nach Stunden in der Schule und Hausaufgaben benötigen alle einen schönen Energie-Impuls. Aktive mentale Regeneration heißt das Zauberwort, bevor der Trainer mit seinen Aufgabenstellungen beginnt und Konzentration einfordert.

Der Drang, seine Energie loszuwerden, ist bei kleineren Kids stärker ausgeprägt. Die Bereitschaft der Konzentration steigt danach merklich. Diese Zeit vom Training abzuziehen ist für viele Trainer kritisch... ein Versuch ist es Wert: Die Kinder sind danach entspannter und können neue Aufgaben angehen.

Nun zum Warm-Up, zum Warmmachen. Schließlich müssen sich die Kinder ja aufwärmen, oder?

Warum eigentlich? Etwa um Verletzungen zu vermeiden?

Wir stellen uns folgende Situation vor:
In der Grundschulklasse klingelt die Pausenglocke. Wie von der Tarantel gestochen stürmen alle Kinder auf dem Schulhof und rennen wild umher.
Spielen Fangen oder Fußball oder sonst was. Völlig verschwitzt kehren sie nach der Pause wieder in die Klasse.
Dieses Szenario wiederholt sich mehrfach am Tag. Jeden Tag. Jede Woche.
Kein Kind klagt über Muskelschmerzen. Oder zieht sich eine Zerrung zu.

Warum dann beim Fußball-Training die gleichen Kinder warm machen? Womöglich noch mit Laufen ohne Ball oder Gymnastik.
Schlimm. Vergeudete Zeit. Lassen Sie es sein. Langweilen Sie nicht Ihre Mannschaft.

Spätestens aber mit Eintritt der Pubertät (und damit verbundene körperliche Veränderungen) ist das Warmmachen mit Laufkoordination und dynamischen Dehnen ein wichtiger Bestandteil. Dies beugt Verletzungen vor und bereitet den Spieler auf die anstehenden dynamischen und explosiven Bewegungen vor.

Machen Sie gleich zu Beginn ein Spiel.

Überraschen Sie die Kinder. Lassen Sie die Kinder spielen. Haben Sie schon selbst einmal hierüber nachgedacht?
Warum immer die gleichen Abläufe?

Mischen Sie sich mal 10 Minuten nicht in dem Spiel ein. Nehmen Sie sich selbst nicht zu wichtig.
Der Spieldrang ist enorm ausgeprägt. Die Kinder freuen sich nicht auf das Training, sie freuen sich auf das Spielen im Training.
Wird dieser Wunsch erfüllt, ist auch ein wichtiges Bedürfnis befriedigt.
Im Anschluss kann der Trainer wunderbar die aus seiner Sicht wichtigen Übungen durchführen.

Je spannender diese Übungen sind und je mehr Wettkampfcharakter diese mit sich bringen, je mehr Dynamik werden die Kinder selbst einbringen.
Kinder messen sich unentwegt und wollen immer besser als der Andere sein. Nutzen Sie diese Eigenschaft.

Ein Negativ-Beispiel sind sog. Aldi-Schlangen-Übungen.

Übungen, in denen Kinder in einer Warteschlange gelangweilt warten, bis sie wieder dran sind.
Und dann wieder minutenlang keine Aktion haben. Meist sind es Torschuss-Übungen. Der Trainer legt den Ball vor und einer schiesst unbedrängt aufs Tor.
Ja, sicher. Diese Übung gibt es schon seit Beginn der Trainingsaufzeichnungen. Haben Sie sich aber schon einmal über den Sinn dieser Übung Gedanken gemacht?
Steht der Trainer beim Spiel auch auf dem Spielfeld und legt den Ball vor? Wie oft kommt eine ähnliche Situation im Spiel vor?
Was lernt das Kind dabei?

Wie könnten man diese Torschuss-Übung durch einfache Organisationsänderung attraktiver und sinnvoller gestalten?
Bilden Sie zwei Gruppen, die jeweils auf zwei Tore schiessen müssen. Zuvor muss jeder Spieler durch einen Parcours dribbeln.
Rufen Sie einen Wettbewerb aus, nach dem Motto, die Mannschaft mit den meisten Toren gewinnt.
Sofort wird jeder hellhörig und wird das Beste geben wollen.


Variationen können wunderbar eingebracht werden, um immer wieder neue Impulse zu setzen und die Übung so attraktiv zu halten. Seien und bleiben Sie innovativ.

Und dann wird es auch wieder Zeit zu spielen.

Nur diesmal spielen nicht zwei Mannschaften gegeneinander.
Bilden Sie 4 Mannschaften. Es ist effektiver, 3 gegen 3 , als 6 gegen 6 spielen zu lassen.
So kommen die Kinder häufiger an den Ball. Haben mehr Platz und Zeit für die Ballannahme. Sie können technische Raffinessen besser einsetzen.

Sie sind geforderter und übernehmen mehr Verantwortung.

Ihre Aufgabe als Trainer?

Mut zusprechen. Motivieren Sie unentwegt. Loben Sie gute Ansätze und nicht nur geglückte Aktionen.
Halten Sie sich mit Reporterkommentaren und Fehlerzuweisungen, sowie ständigen Korrekturen zurück.

Bilden Sie schnell wieder neue Teams. Und spielen Sie aufs Neue. Lassen Sie die Kinder dribbeln. Sie müssen ausprobieren.
Bitte sagen Sie nicht, wann sie wohin zu spielen haben.


Stellen Sie sich eine Strassenampel vor. Erklären Sie dem Kind bei welcher Farbe es sich wie zu verhalten hat. Üben Sie das. Aber sagen sie nicht: Jetzt gehen. Jetzt warten und stehen.

Im Internet gibt es unendlich viele gute Übungen. Nicht alle eignen sich für jedes Alter. Wissen, wann man welche Übung einsetzt, ist schon von Vorteil. Noch wichtiger ist die Überlegung, wie die Übung aufgebaut wird und welche Probleme auftreten können.

Fordern und fördern Sie das Erkennen. Das ist die hohe Kunst der Fußballausbildung.
Beanspruchen Sie Ihre Kinder lieber geistig als durch stumpfsinnige Abläufe. Kinder lernen schnell.

Viel Spaß!